Abfall als verschwendeter Rohstoff

Die Entsorgung von Produktionsabfällen kostet Geld. In vielen Fällen lassen sich die Kosten reduzieren, indem man einen Verwerter findet, der (je nach Marktlage) zum
Teil beträchtliche Preise zahlt. Gerade in den letzten Jahren haben die Preise für Sekundärrohstoffe beträchtlich angezogen. Das geschah vor allem, weil Primär-
rohstoffe knapper und teurer wurden und Sekundärrohstoffe als preiswerter Ersatz gesucht wurden. Für das Unternehmen, bei dem Produktionsabfälle entstehen, ist das eine erfreuliche Situation. Schließlich treten statt der Entsorgungskosten zusätzliche Erlöse auf. Auch aus ökologischer Sicht ist die Weiterverwendung der Abfälle durchaus zu begrüßen. Das Geschäft mit den Abfällen kann allerdings schnell absurde Formen annehmen, wenn der Blick auf die (Abfall-)Erlöse von den Entstehungskosten ablenkt. So wird diese Erlössitutation gerne als Beispiel vorgerechnet, dass die externe Verwertung von Materialien auch ökonomisch sinnvoll sein kann. Ein kleines Rechenbeispiel zeigt, wie schnell man damit falsch liegen kann:

Im Unternehmen XY fallen pro Jahr 100 Tonnen Aluminiumschrott an und ergeben bei einem Preis für Sekundäraluminium von 1,60 €/kg einen zusätzlichen Erlös von 160.000 €. Wenn der Blick des Unternehmers hier endet, entgeht ihm, dass er eigentlich einen Verlust von 140.000 € gemacht hat, denn der ursprüngliche Einkaufspreis des Primär
aluminium lag bei 3,00 €/kg. Mit jedem Kilogramm Aluminiumschrott gehen also auch 1,40 € Materialwert verloren.

Das primäre Ziel im Unternehmen darf es also nicht sein, Abfälle zu verkaufen, sondern zu vermeiden und zu reduzieren durch eine verbesserte Prozessführung, besseres Qualitätsmanagement oder optimiertes Produktdesign.